„Howdy Texas“(-Feeling) in München – Gedanken während der Hitzewelle
- thomasgorgas
- 3. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Oder: Wie man eine Hitzewelle gelassen übersteht
Die vergangenen Tage hatten es in sich: das vergangene Wochenende und der Wochenbeginn waren geprägt von einer echten Hitzewelle – und gleichzeitig von reichlich körperlicher Arbeit in meinem "Fitmacher-Job", der für mich den idealen Ausgleich zum vielen Sitzen vor dem Laptop darstellt.
Genau in diesem Moment erreichte mich eine E-Mail meines langjährigen Kollegen und guten Freundes Tim aus Texas.
"Howdy Thomas... I've been reading about the insane heat wave hitting Europe right now. Those temperatures in Germany and France are so crazy hot –: 40+ degrees. Here in Texas we're actually having one of those unusually rainy years. The humidity is terrible. I hope you and your family are keeping cool."
Ich musste fast lachen: Ausgerechnet Tim machte sich Sorgen um die Temperaturen in Bayern! Das hatte schon fast etwas Ironisches. Schließlich verbindet man Texas eher mit brütender Hitze als München.
Tim und ich haben viele Jahre gemeinsam auf einem Bohrschiff gearbeitet. Zwölf-Stunden-Schichten. Zwei Monate am Stück. Kein Land in Sicht. Wer solche Expeditionen erlebt hat, vergisst sie nie.
Tim war damals mein Lieblings-Foreman. Einmal hat er mich grinsend an den Schultern gepackt und auf einen Stuhl gedrückt; er kommandierte im Befehlston:
"Thomas, sit down! I timed you. You haven't been sitting for even thirty seconds today!"
Nun – das ist inzwischen gut fünfzehn Jahre her. Offenbar hat sich daran gar nicht so viel geändert. Wer rastet, der rostet. War schon seit jeher mein Motto...
Was viele gar nicht wissen: Tim wurde tatsächlich im oberfränkischen Hof geboren. Sein Vater war damals Pilot der US Navy. So schließt sich in meinem Leben manchmal der Kreis zwischen Bayern und Texas auf ganz unerwartete Weise.
Ich konnte Tim jedenfalls guten Gewissens antworten, dass ich auch heute noch bei extrem-hochsommerlichen Temperaturen körperlich intensiv arbeiten kann – mit fast derselben Freude und demselben Einsatz wie damals auf hoher See. Natürlich spielt dabei Erfahrung - sprich: wie man sich seine Energie einzuteilen hat - eine Rolle. Und dazu gehört eine konsequente Hydration.
Gerade die Offshore-Zeit hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, den eigenen Körper ernst zu nehmen. Auf unseren Schiffsexpeditionen stand nur entsalztes Trinkwasser zur Verfügung. Mir fiel damals auf, dass ich mich nach einiger Zeit anders fühlte als an Land, wo seit 2009 konsistent eine bewusste Hydrationsstrategie zu meinem Alltag gehört.
Diese Selbstbeobachtung "während" vs. "vor/nach" den Expeditionen weckte zusehends meine Neugier, mich noch intensiver mit dem Thema "Hydration" auseinanderzusetzen als ich dies eh schon seit geraumer Zeit vor dem jahrelangen Expeditionszklus getan hatte.
Das sogenannte „restrukturierte Wasser", das ich zunächst über japanische und südkoreanische Kollegen kennenlernte, durfte ich einige Jahre später in Norwegen mit einfachen Methoden an natürlichem Quell- und Gletscherwasser direkt an seinem Entstehungsort untersuchen.
Hinzu kamen besonders faszinierende Gespräche über dieses Thema mit einem russischen Kollegen auf dem Bohrschiff – ein hervorragender Nuklearphysiker und Elektroingenieur; er erklärte mir während einer Offshore-Expedition seine Sicht darauf, wie Wasser in natürlichen Fließgewässern bestimmte Eigenschaften entwickelt und weshalb dieses Thema in verschiedenen Ländern seit Jahrzehnten wissenschaftlich diskutiert wird.
Ob und in welchem Umfang sich all diese Konzepte vollständig wissenschaftlich bestätigen lassen, ist nach wie vor Gegenstand unterschiedlicher Auffassungen. Meine persönlichen Erfahrungen über viele Jahre sind jedoch eindeutig: Eine konsequente Hydration hilft mir dabei, auch außergewöhnlich heiße Tage erstaunlich gut zu meistern - wie das in den vergangenen Tagen der Fall war.
Dabei musste ich während der "Texas-Hitzewelle" öfter schmunzeln. Denn ganz ehrlich: So dramatisch, wie manche Schlagzeilen klangen, oder unser „Fake News“ Image in diesem Beitrag suggerieren, war die Situation in München beileibe nicht.

Unser Dackel Walter, ein unbeugsamer Gallier - und dementsprechend extrem stur - war vermutlich während der Hitzewelle der Vernünftigste von uns allen in der Familie: Er verließ das Haus nur äußerst widerwillig, lief ein paar Meter – und entschied dann, dass das Sofa eindeutig die bessere Alternative sei. Walter führt keine Diskussionen mit der Natur. Er akzeptiert sie einfach. Sehr cleveres kleines Kerlchen...
Wenn ich nach einem langen „Fitness“-Arbeitstag nach Hause komme und feststelle, dass ich die Hitze und die körperlichen Strapazen wieder gut überstanden habe, denke ich mir manchmal insgeheim: "Nicht so schlecht für einen Ü-60er." Und dafür bin ich sehr dankbar.
Aber vielleicht liegt das eigentliche Geheimnis gar nicht in einer einzelnen Maßnahme.
Vielleicht besteht Gesundheit bzw. „gesund-bleiben“ vielmehr aus vielen kleinen Gewohnheiten, die sich über Jahre summieren:
Gutes Atmen
Genügend Wasser
Immer in Bewegung bleiben
Ausreichend Schlaf
Neugierde bewahren und motiviert bleiben, immer weiter zu lernen
Dankbarkeit – je mehr desto besser
Mehr braucht es oft gar nicht, um erstaunlich gut durchs Leben zu kommen.
Fazit:
Wenn ich heute auf die vergangenen vierzig Jahre zurückblicke, wird mir einiges bewusst: Die wertvollsten Dinge, die ich lernen durfte, standen oft in keinem Lehrbuch.
Sie entstanden in Gesprächen mit Kollegen:innen aus aller Welt; auf einem Bohrschiff mitten im Ozean; beim Wandern in den Bergen Europas und Südamerikas; an den Rändern norwegischer Gletscher; unter der Sonne Hawaiis und Kaliforniens; Unterwasser mit der marinen Flora und Fauna weltweit; oder: an einem ganz gewöhnlichen heißen Sommertag in München; beim Gassi-laufen mit unserem Dackel Walter…
Und vielleicht ist genau das das Schönste am Älterwerden. Man sammelt nicht nur Jahre.
Man sammelt Begegnungen.
Gespräche.
Erfahrungen.
Kleine Gewohnheiten mit manchmal erstaunlich großer Wirkung.
Und irgendwann erkennt man, dass all diese scheinbar losen Fäden ein erstaunlich stimmiges Bild ergeben. Vielleicht war das Bild die ganze Zeit schon da – wir erkennen es nur erst mit den Jahren.
Genau das verstehe ich unter "Free Wellness for Everyone":
Kein Patentrezept. Keine Wunder. Sondern Erfahrungen, die man gerne aufnimmt- und weitergibt.
Viele der wirksamsten Dinge im Leben kosten erstaunlich wenig.
Die Natur – und das Leben selbst – stellen sie uns oft kostenlos zur Verfügung.
Wir müssen nur neugierig genug bleiben, sie zu entdecken.
Ach ja – Und die nächste Hitzewelle? Die darf ruhig kommen. Zumindest Walter und ich sind bereit.
Mit einem herzlichen Aloha und einem kräftigen Servus , bzw. "Prost!" aus München.




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